7 auf einen Streich… …warum die HP Touchpad Aktion von Notebooksbilliger kein Social Media Desaster ist!

Kaum ein (Social-Media) Blog, der nicht über die aktuelle Aktion von Notebooksbilliger (NBB) bzgl. des HP Touchpad schreibt. Kurz zum Hintegrund: NBB hat noch mal 1300 der beegehrten HP Touchpads aufgetrieben und möchte dieses verständlicherweise an den Mann bzw. die Frau bringen. Die Beiträge in den Blogs reichen vom Kopfschütteln über Reflektionen zur Aktion bis hin zu Häme, Schmunzeln und etwas Schadenfreude. Ich verfolge die Aktion nun auch schon von Anfang an, wurde selbst Fan von NBB bei Facebook und habe mich gestern auch tatsächlich in die Liste eingetragen.

Die Fanpage konnte innerhalb von 2-3 Tagen ein Zuwachs von über 100.000 neuen Fans verbuchen. Das viele Fans nicht gleich super, toll & erstrebenswert sind, sollte sich bei den Social Media Beratern mittlerweile rumgesrprochen haben und gilt als hinreichend akzeptiert. Sicher wird auch sein, dass von 130.000 Fans nur 1300 ein HP Touchpad erhalten – wenn alle Fans bei der Verlosung mitmachen würden, dann hat man aktuell eine Chance von einem Prozent um tatsächlich so ein Ding kaufen zu können (immerhin wahrscheinlicher als ein 6 Richtige beim Lotto).  Im Umkehrschluss 99% der Fans würden kein Touchpad erhalten und ja: Es gibt sie aktuell zuhauf, die negativen Pinnwand-Postings, verärgerte Kunden usw.. Ich glaube aber daran, dass die Aktion im gesamten und langfristig kein (Social Media) Desaster für Notebooksbilliger darstellen. Im Gegenteil, wenn NBB es nun weiter durchzieht, dann könnte man sogar 7 Fliegen mit einer Klappe geschlagen haben.

1.  Ich gehe davon aus, dass NBB als XXL Shop wusste, dass noch HP Touchpads kommen würden. Während Cyberport & Co. die Touchpads sofort als Promomasse bei der Bekanntgabe von HP verhökerte, war es bei NBB im nachhinein betrachtet verdächtig still. Warum ich davon ausgehe? Immerhin handelt es sich bei der aktuellen Aktion um ein regulären Verkaufswert von 1300 HP Touchpads  x 499 Euro = 648.700 Euro. Als Unternehmer wurd man wissen, wenn eine solche Lieferung grundsätzlich ansteht. Ich glaube nicht, dass NBB wusste wann und wie viele sie tatsächlich bekommen würden – aber DAS NBB HP Touchpads bekommen würden, war absehbar. Ich unterstelle also, dass NBB bewusst die HP Touchpad Aktion zurück gehalten hat, bis alle Konkurrenten ihr Pulver verschossen hatten. Das war also der erste Streich und der zweite folgt so gleich..

2. Der zweite Streich liegt in der Tatsache, dass man die Aktion auf Facebook und mit http://ondango.com/ durchführen wollte. NBB lernte aus der Nicht-Erreichbarkeit von Cyberport während der Aktion und verlagerte es in Richtung Facebook. Der Umsatzausfall von Cyberport bzw. NBB war bzw. wäre größer als der Umsatz durch diese Aktion. Der zweite Grund, warum das ein guter Schachzug war ist etwas komplexer: NBB kann einen Umsatz von 129 Euro x 1300 für diese Aktion erwarten. Was hat NBB davon? Vor allem verdammt viel Arbeit (Versand, Rechnungen, Retouren etc.) und einen PR Effekt. Der Umsatz und die Marge dürfte bei diesen Preisen für NBB im Gesamtkontex bei angestrebten 450 Mio. Umsatz nicht mehr ins Gewicht fallen. Also wurde die Aktion im zweiten Streich ausgelagert. Dass Ondangos FB Shop überrant wurde und die Jungs & Mädels tatsächlich die Performance nicht liefern konnten ist schade, aber fällt für mich nicht ins Gewicht. Viel spannender ist der dritte Streich, der dann folgte..

3. Notebooksbilliger bzw. deren Community Manger schafften Transparenz in die Angelegenheit: Ich habe die Aktion verfolgt und hatte zu keiner Zeit nicht das Gefühl, nicht über den aktuellen Stand informiert zu sein. Dass es Kritik hagelte führte auch zu einem cleveren Schachzug: Man stellte die Pinnwand um, so dass man nur noch die Notebooksbilliger Einträge standardmäßig zu sehen bekam. Mit Carsten Knobloch hat man den allseits bekannten und beliebten Blogger zur Seite, der auch mit seinem Namen direkt genannt wird. Auch wenn manche durch die Kommentare vielleicht einen Shitstorm prophezeien: Ich glaube nicht daran, daher ist die transparente Kommunikation der dritte Streich. Nun aber ab zum vierten Streich:

4. Die Aktion und Aufmerksamkeitsspanne wurde verlängert. Durch die Umstellung der Auktion vom Facebook Shop zur Verlosung verlängerte man die Spannungskurve – sicherlich teilweise unbeachsichtigt, weil man an der Lösung arbeitete, aber vielleicht auch aus taktischen Gründen um eben die Spannungskurve weiter aufrecht zu erhalten. Immerhin schafft es NBB nun seit einigen Tagen Dauerthema in Blogs, bei Twitter & bei Facebook zu sein. Durch die 48-Stunden-Verlosung hat man aber doch noch ein Höhepunkt in Sicht. Es werden auch mehr Fans erreicht und der Zulauf scheint ungebrochen – das ist doch ein gelungener vierter Streich?! Die Spannung steigt also..

5. Auch wenn der Hauptkritikpunkt vieler Facebook Fans die Umstellung von Shop (first come, first served) zur Verlosung (alle erhalten die gleiche Chance) ist, so ist es die fairste Lösung für alle. Notebookbilliger bietet nun eine Lösung, bei der alle Teilnehmer die selbe Chance auf ein HP Touchpad erhalten. Zu sagen: “Sorry, funktioniert nicht – aber wir bieten nun eine Lösung, in der alle die selbe Chance haben” ist doch ein gelungener fünfter Streich, denn das ist für die Marke symphatisch, fair & transparent. Das in jedem System Betrüger gibt, die die Mechanik (Mehrfachteilnahme) aushebeln wollen ist auch klar – aber das ist kein Problem des Systems, sondern liegt eher am Egoismus der Teilnehmer.

Es ist Zeit ein Zwischenfazit zu ziehen: Was wurde denn bisher von NBB erreicht?

  • Extrem aufmerksamkeitsstarke (reichweitenstarke) Aktion
  • Viele Kritiker trommeln nun gg. NBB, evtl. unzufriedene Facebook Fans
  • Selbst Konkurrenten nehmen Bezug auf die Aktion
  • Keinerlei Server-Ausfall, aber sicher sehr, sehr viel Brand-Traffic auf der Website
  • +100.000 Facebook Fans
  • Nennungen in allen Social Media und in vielen anderen Blogs
  • Links, Links und noch mal Links

Im Gesamten überwiegen mich die Vorteile, vor allem langfristig! Insbesondere wenn es Notebooksbilliger schafft noch zwei weitere Streiche anzuschließen:

6. Die Aktion muss nun reibunglos ablaufen. Schnelle Auslosung, schnelle Kommunikation, schneller Versand – damit schnell positives Feedback der Teilnehmer kommt. Das traue ich aber Notebooksbilliger ohne weiteres zu, schließlich versenden die Jungs & Mädels dort nicht nur 5 Pakete am Tag, sondern sind sicherlich vom Fullfillment in der Lage das entsprechend auch kurzfristig beliebig skalieren zu können. Dieser sechste Streich ist also an sich eine Kleinigkeit und betrifft eher die Abläufe innerhalb der Firma und weniger die Kommunikation nach außen. Wenn das Community Management es nun noch schafft Fotos der Aktion, aus dem Lager, vom Team usw. zu launchen können auch alle anderen Leute an dieser großen Party teilnehmen.

7. Der letzte und damit siebte Streich ist sicherlich der schwierigste: Hier wird sich zeigen, ob die Aktion mittel- und langfristig erfolgreich sein wird. Das Community-Management hat nun ca. 130.000 teils extrem unzufriedene Kunden vor sich, die nicht zum Zug gekommen sind. Ich glaube nicht, dass mehr als 15% der Leute wieder abwandern werden, sondern die Erfahrung zeigt, dass trotz klasssischer Gewinnspiele (einfache iPad-Verlosung bei Facebook), die Fanzahlen ziemlich konstant bleiben wird. NBB hat nun die riesige Chance durch Kundenbindungsmaßnahmen, wie Promotions, Special Deals für FB Fans, Couponing und so weiter, weitere Facebook Partys zu veranstalten. Es ist sicherlich nun Fingerspitzengefühl notwendig: Ein 5 Euro Gutschein für Apple Geräte wird sicherlich nicht als Mega-Aktion akzeptiert werden, aber vielleicht steigt ja bald wieder eine dicke Facebook Party bei NBB und alle haben Spaß daran?!

Es wird nun also spannend werden, wie die Aktion weiter von statten geht. Ich glaube aus den oben genannten Gründen nicht daran, dass es ein Social Media Desaster ist, sondern die Aktion wird langfristig für NBB positiv zu werten sein. Voraussetzung ist es, dass Carsten & Co. es nun schaffen die Aktion sauber abzuschließen, etwas Ruhe einkehren zu lassen und hoffentlich bereits an den nächsten Partys basteln. Über die Kritik in den Social Media Blogs wird in ein paar Wochen nur noch auf einschlägigen Konferenzen zu diskutieren sein, die Backlinks werden von Google aber dauerhaft bewertet, NBB hat eine große Fanpage… …eine große Fanpage bedeutet ja nicht gleichzeitig Social Media Erfolg: Daher werde ich in Zukunft die Seite weiter beobachten, vor allem die Interaktions- und Response-Raten werden Aussage zur Fanqualität geben. Genau so liefern die Sentiments zur Marke und die Webanalyse Insights zur Qualität des FB Traffics im Shop & Co.

Das waren meine 50 Cent zu dieser Aktion icon smile 7 auf einen Streich… …warum die HP Touchpad Aktion von Notebooksbilliger kein Social Media Desaster ist!

Martin

PS Zum Titel des Blogposts: Okay, 7 auf einen Streich waren es noch nicht ganz – aber NBB hat noch die Chance 7 Fliegen  mit einer Klappe zu schlagen..

PPS Rechtschreibfehler sind beabsichtigt, wer die meisten findet und mir schickt bekommt eine Flasche Sekt.. icon smile 7 auf einen Streich… …warum die HP Touchpad Aktion von Notebooksbilliger kein Social Media Desaster ist!

Autor:
Datum: Mittwoch, 7. September 2011 9:54
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4 Kommentare

  1. 1

    Hallo Martin,

    Du bringst es auf den Punkt … besser auf 7 Punkte ;-) .

    Ich denke auch, dass NBB die Aktion professionell und sehr gut gehandhabt hat. Insbesondere die offene und unmittelbare Kommunikation hat mir wirklich imponiert.

    Den einzigen Schaden bei dieser Aktion haben die Schlauschwätzer, die es im Nachhinein (angeblich) besser gewusst hätten.

    Viele Grüße
    Jörg

  2. 2

    “offene und unmittelbare kommunikation?” ich war dabei, und davon war ja zwischen 7:30 und 10:30 herzhaft wenig zu bemerken – und genau das war auch eines der probleme (vielleicht DAS problem). was kam denn nach der flapsigen kaffe bemerkung von carsten? gar nix…

    das problem war imho mehrschichtig.

    neben der grundsätzlich fragwürdigen entscheidung facebook als medium einzusetzen zum einen ein shopanbieter dem offensichtlich nicht klar war dass seine tollen (gemieteten) “30 server” in der amazon “cloud” auch nur instances auf einer strategisch “overbooked/oversubscribed” plattform sind – wenn er 30 instances mit insgesamt 60 vCPUs zur Verfügung hat ist das hochwahrscheinlich trotzdem nur alles auf einem blade mit vielleicht 10 “physischen” cores – alles super unter normalbedingungen, bei vollast aber suboptimal. und beim thema dynamische ressourcenzuweisung kann man sich z.b. über das DRS der virtualisierungsumgebung mal kundig machen, damit man weiss was einen in so einer situation erwartet. aber zu glauben dass das zumieten weiterer instances für solch eine situation die passende lösung ist lässt schon auf blauäugigkeit und eine etwas zu einfache denkweise bezüglich der cloud (und der service-) infrastruktur schliessen.

    das verhalten des shops zur fraglichen zeit (und vorher) lässt auch darauf schliessen dass die architektur des betreibers grundsätzlich problematisch ist für solche grössenordnungen (kein loadbalancer/application control engine o.ä.), ob die shopapplikation 3-tier mässig strukturiert mit klarer trennung von front-end, middleware und database ist wäre auch mal interessant. auch interessant dass der shopbetreiber ja schon 18 stunden vorher über probleme mit den servern klagte – vermutlich ist man dann aber lieber mit den kumpels von nbb einen heben gegangen anstatt wie man es von einem profesionellen service betreiber erwarten würde eben mal eine nachtschicht einzuschieben.

    daneben kommt als zusätzliche komponente das verhalten der beteiligten (social media hat ja auch mit “social” zu tun). das reicht von der nicht-nennung eines klaren startzeitpunktes (was ja erst dazu führt dass tausende von leuten F5 dauerdrücken) über den “kaffetrinken” kommentar von carsten bis hin zum stundenlangen schweigen-und-hinhalten der anwender die z.t. von 7:30 bis 10:30 auf irgendwelche fortschritts/statusmeldungen gewartet haben. neu hinzugekommene wussten dann ebenfalls nie was eigentlich grade los war.

    dass das ding in die hose gehen könnte war den beteiligten vermutlich schon 7:30 klar – oder hätte es sein können wenn man um die uhrzeit schon gearbeitet hätte. dass man dann erstmal versucht das problem zu lösen, und dabei vom shopbetreiber erstmal vertröstet wird (a la “wir arbeiten daran”) ist ja noch verständlich. die tausende wartenden aber komplett über den fortschritt im dunkel zu lassen zeigt einen dramatischen mangel an kompetenz im umgang mit dem medium social media auf.

    gerade hier hätte es genug möglichkeiten gegeben die leute über den jeweiligen status zu informieren (“es gibt probleme”, “es dauert noch mind. 30 minuten”, “der whitescreen ist normal”, “der shopbetreiber schaltet jetzt 10 neue server auf, dann testen wir wieder”, usw. usf.).

    jedes unternehmen muss sich heute kritik anhören wenn es in solchen fällen unzureichend kommuniziert. das gilt auch für nbb.

    eher frech finde ich jetzt dass das ganze mit der verlosung so dargestellt wird als wäre das ja der kundenwunsch gewesen (man pickt sich also von tausenden zwei/drei passende kommentare heraus und nimmt die als begründung) sowie der zwang bei der registrierung für die verlosung neben email auch die strassenadresse angeben zu müssen – ein datenschutzrechtlicher witz.

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    [...] nachzulesen. Umfangreiche und wie ich finde sehr gute Statements kann man sich im Blog von Martin Gaubitz und beim Webarchitekten zu Gemüte führen. Diesen Artikeln ist meiner Meinung nach inhaltlich [...]

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